/ Faszinierend, wie alles Gute und jede Zuneigung nur eine kleine Delle in die harte Schale schlagen, während die verletzenden Dinge, die, die angreifen oder so gesehen werden können, einfach durchgehen, mittenrein, wie ein Blitzschlag ins Innerste und Persönlichste, egal, ob eine Äußerung oder ein Ereignis dahin zielte oder reiner Zufall war. Die Freude klopft nur leicht an und verschwindet dann wieder, wenn es nicht jemand vehement immer wieder versucht, einen Abdruck zu hinterlassen. Und manchmal passiert es dann doch und erst in diesem Moment merkt man, dass das überhaupt noch geht, aber dann ist der Andere schon längst uneinholbar weit weg. 

/ Als sei man irgendwem intellektuell überlegen, nur weil man vorrangig sich selbst kaputtmacht. Als sei man vor Verletzungen sicher, nur weil man sie sich selbst zufügt. Als habe man irgendeine Art von Kontrolle, nur weil man entscheidet, sie ihm nicht zu geben. Und auch sonst nichts.

/ Er versteht nicht, wie einem die Decke auf den Kopf fallen kann, was das heißt, wie sich das anfühlt, wie sich irgendwas anfühlt, fühlt er denn überhaupt was? Und denkt er auch mal? Ich kann nicht erklären, was er ohnehin nie begreifen wird und ich weiß auch nicht, wie man formuliert, dass im Sommer scheinbar der ganze Himmel runterfiel, inklusive der vielen dicken Engel mit ihren Harfen und dem ganzen Brimborium und dass einem Zuckerwattewolken die Lunge verstopfen, besonders die Schäfchen.

/ Er sagt, er mag was ich schreibe, was ich mir ausdenke, also wirklich, spannend, wo ich das hernehme? Und er redet direkt weiter, nein, ach, keine Schmeichelei, undsoweiter. Und ich schaue in meine Tasse, meine Augen bleiben an den kleinen Bläschen hängen, die dort auf und ab zittern, wo der Tee die mittlerweile etwas angewärmte weiße Porzellanwand trifft, aber sie tun sonst nichts, die Bläschen, nichts außer glänzen und glotzen und kleine Erschütterungen ins Sichtbare übersetzen, und ich muss dem Drang widerstehen, meinen kleinen Finger durch den filigranen Henkel zu schieben, langsam den Arm zu heben und eine nach Pfefferminz duftende Welle heißen Wassers über den Tisch und in seinen Schoß schwappen zu lassen. Ich schaue wieder hoch, er blickt immer noch so blöd in meine Richtung, er sitzt mir ja leider gegenüber, und ich traue mich immer noch nicht zu sagen, dass das alles echt ist, du Vollidiot.