Nach einer Zeit und mit viel Abstand fällt einem auf, dass das Dorf nichts für die mit ihm assoziierte Jugend kann. Und selbst obwohl man nie ganz drüber hinwegkam, sondern nur mit einer Schramme dran vorbei - es waren nie die Orte, sondern die Menschen und die Zeit, die den Straßen und Plätzen ihren zuweilen schalen Geschmack gaben, die die Luft mit unangenehmer Spannung aufluden, die immer noch da ist, wenn man 7 Jahre später um die gleiche Ecke biegt. Manchmal reicht es, in einem Schulbus zu sitzen, um zu begreifen, wie viel besser das Leben geworden ist. Weil man sich nicht mehr wie das uncoolste Kind in der Reihe fühlt, das heute vielleicht wieder gemobbt wird. Weil man jetzt jemand Anderes ist. Dabei ist man das gar nicht wirklich, man fühlt sich nur so, weil man aus einem anderen Kontext wieder zurückstolpert in diesen kleinen Rahmen und plötzlich nicht mehr überfordert ist. Man muss keine Angst mehr vorm Scheitern haben, weil es entweder schon passiert ist, man es erst in 30 Jahren merkt, weil man einfach zu doof ist und es deshalb auch nicht anders verdient hat, oder weil die wirklich schwierigen und wichtigen Kämpfe heutzutage an anderen Orten ausgefochten werden und nicht mehr hier, wo man die Regeln versteht.

(Ich wollte es Heimatblues nennen, aber dafür ist es hier zu grau.)

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